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Bluthochdruck

Der Bluthochdruck (Hypertonie) wird heute gelegentlich als „stiller Killer der Menschheit“ bezeichnet, da ein Drittel jener, die an ihm leiden, nicht einmal davon weiß. Die emotionelle Belastung und unangemessene Ernährung haben versteckt und schleichend zunehmenden Einfluss auf die Gesundheit der heutigen Bevölkerung. Die häufigsten subjektiven Symptome, an denen man die beginnende Hypertonie selbst erkennen kann, sind nach der chinesischen Medizin Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Ohrenpfeifen und Sehstörungen. Weitere Anzeichen sind ferner Gereiztheit, innere Unruhe, Launenhaftigkeit, Schlaflosigkeit, das Gefühl des Druckes auf der Brust, Gedächtnisstörungen, Vergesslichkeit, Gesichtsrötung, Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Gliedmaßen.

Westliche Betrachtungsweise der Hypertonie

In der westlichen Medizin gehört die Hypertonie zu den sog. primär essentiellen, idiopathischen Erkrankungen, somit zu jenen Erkrankungen, bei denen die Ursache des Entstehens nicht festgestellt werden kann (außer 5 % der Hypertonie, die in seltenen Fällen sekundär durch eine Geschwulst, Stenosen der Blutgefäße, hormonelle Instabilität hervorgerufen wird). Daher entspricht auch die Behandlung aus der Sicht der westlichen Medizin dieser Gegebenheit, ist somit zumeist symptomatisch (d.h. durch Linderung der Symptome) und gewöhnlich lebenslänglich. Lediglich 10 % der Patienten werden kausal (d.h. nach der Ursache) behandelt. Der optimale Blutdruck sollte bei Erwachsenen im Bereich von 120/80 mm Hg (Quecksilbersäule) liegen. Wie gewöhnlich ist alles stets individuell und relativ, sodass auch hier alles vom Alter, von der körperlichen Verfassung und dem Charakter des Patienten abhängig ist. Die Grenze für das Monitoring des Blutdruckes ist der Wert 130/85, die Grenze für die Behandlung sodann der Wert 140/90. Der Blutdruck besteht aus zwei Komponenten - der höhere gemessene Wert entspricht dem Druck des Herzens (Systole), das das Blut verdrängt, der niedrigere gemessene Wert entspricht der Elastizität der Blutgefäße (Diastole), die das Blut unter Druck in das Herz zurückführt. Der Blutkreislauf ist noch von fünf weiteren physiologischen Faktoren abhängig:

  • von der Größe der Herzkontraktion, somit einer gewissen Herzpumpe, wobei bei einer Herzinsuffizienz ein zu geringes Volumen des geförderten Blutes besteht;
    Therapie: Kardiotonika (herzstärkende Mittel) – dieser Zustand kann in der chinesischen Medizin der Blutinsuffizienz XUE XU entsprechen;
  • von der Elastizität der Blutgefäße (die Elastizität der Blutgefäße nimmt mit zunehmendem Alter ab, was die Behandlung in Betracht zieht);
    Therapie: Betablocker oder Antihypertensiva (ACE, ARB) – dieser Zustand kann in der chinesischen Medizin dem Anstieg des Leber-Jangs GAN YANG SHI, des inneren Windes NEI FENG und des Leber-Feuers GAN HUO entsprechen;
  • von der peripheren Resistenz (d.h. vom Widerstand der Blutgefäße im Körper);
    Therapie: Alphablocker, Kalziumblocker – dieser Zustand kann in der chinesischen Medizin dem Schleim TAN entsprechen;
  • von der Blutmenge im Organismus, denn je mehr Blut, desto mehr Wasser wird im Körper zurückbehalten;
    Therapie: Diuretika (harntreibende Arzneien) – dieser Zustand kann in der chinesischen Medizin einer Insuffizienz des Jangs der Nieren YANG XU entsprechen;
  • von der Dichte des Blutes;
    Therapie: Antikoagulantien (Blutgerinnungs-Hemmer) – dieser Zustand kann in der chinesischen Medizin der Blockade des Blutes YU XUE entsprechen.
Chinesische Betrachtungsweise der Hypertonie

 

RISIKOFAKTOREN

1. VERERBBARKEIT

Kein Mensch entsteht plötzlich von sich selbst wie durch das Winken mit dem Zauberstab, sondern er ist das definitive Ergebnis und „Veredlungsprodukt“ (wenn auch nicht immer ein edles) vorheriger Generationen, die mit ihrer Lebensweise ein gewisses Terrain und gewisse Veranlagungen für das mögliche Entstehen gewisser Krankheiten schufen. Im Falle der Hypertonie wird die mächtige Genetik sowohl bei der physischen, als auch bei der psychischen Verfassung geltend gemacht. Sofern unserer Vorfahren untersetzt, dick oder hoch emotional, zornig und cholerisch waren, können diese vererbten Voraussetzungen ein Grund für berechtigte Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft sein. Wir sollten uns somit allem enthalten, was eine Hypertonie hervorrufen kann. Solche letzten Tropfen in das ohnehin volle Fass, das im Handumdrehen überläuft oder explodiert, sind übermäßige oder negative Emotionen: Angst, Gereiztheit, innere Unruhe, unterdrückte Wut und Zorn, oder im Gegenteil Wut- und Zornausbrüche - dies alles schadet dem Organismus und gießt nur Öl ins Feuer.


2. LEBENSFÜHRUNG

Regelmäßige tagtägliche Gewohnheiten wie Gymnastik, Schlaf und Arbeit verleihen unserem Körper Rang und Ordnung. Sie entwickeln sich ab der Kindheit, sind tief verwurzelt, wobei ihre Verletzung in mittlerem Alter (zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr) zu einer Hypertonie führen kann, sofern sie nicht bereits durch die Erbanlagen eingetreten ist.
Turnen sollten wir jeden Tag möglichst stets zur gleichen Zeit, wobei die Bewegung angemessen sein sollte, mit allmählicher Erhöhung der Dosis. Sofern wir unregelmäßig turnen, z.B. zweimal wöchentlich, ist dies aus der Sicht der chinesischen Medizin nicht gut, da es zu einer Beeinträchtigung des Blutkreislaufes und zu einer Verletzung (Schwächung) des Jin kommt, was langfristig eine Hypertonie hervorrufen kann. Sofern wir überhaupt nicht turnen, ist dies auch schlecht. Ein übermäßiges, allzu anstrengendes Turnen bis zur totalen Erschöpfung wie auch Nichtstun und Untätigkeit - beides kann eine Hypertonie zur Folge haben.
Schlaf, der unzureichend (kurz) und nicht intensiv (oberflächlich mit zwischenzeitlichem Aufwachen) ist, führt mit der Zeit zur Schwächung des Jin, was wiederum zur Hypertonie führt.
Übermäßige, ob nun körperliche oder geistige Arbeit ruft Ermüdungs- und Überarbeitungserscheinungen hervor, die das Blut Xue und die Energie Qi der Milz schwächen und allmählich eine Hypertonie bewirken.

3. EMOTIONEN

Menschliches Verhalten und extreme Emotionen können eine Hypertonie hervorrufen. Jegliche Emotionen, ob nun positive oder negative, sofern sie übermäßig oder lange andauernd sind, führen in ihrer Konsequenz schließlich nach einer gewissen Zeit zum Herzfeuer oder zum Anstieg des Jangs, was eine Hypertonie bewirken kann. Solche Emotionen sind bei einer Hypertonie weitaus ernsthafter als der Einfluss der Ernährung.
Gesunder Brokkoli, der unter Stress bei einem Arbeitsessen verzehrt wird, hat in der Endkonsequenz wesentlich schädlichere Wirkungen auf unseren Organismus (und somit auch auf das Entstehen einer Hypertonie), als ein in aller Gemütlichkeit und vor allem in Ruhe verzehrtes, ungesundes Schnitzel.
Die Veranlagung zur Hypertonie haben Menschen mit folgenden Eigenschaften und Verhaltensmerkmalen: anspruchsvolle und präzise Perfektionisten, die nicht in der Lage sind, über den Dingen zu stehen (sich über etwas hinweg zu setzen), ohne Empathie, egoistische, eifersüchtige, engstirnige, unnachgiebige, nicht anpassungsfähige, lediglich ihren eigenen Standpunkt durchsetzende, trotzige, wetteifernde, mutige, riskierende, neidische, ambitiöse, unzugängliche, intolerante, geltungsbedürftige, zugeknöpfte, alles auf sich beziehende, sich „abschottende“ und in sich eingeschlossene, wütende, zornige, cholerische, aggressive, unangemessen freudige, ängstliche, gestresste, frustrierte, ihre Möglichkeiten überschätzende, irreal denkende, nach Ruhm, Erfolg, Macht und Geld strebende Menschen, ferner Menschen mit übersteigertem Ego, ihre Fähigkeiten überschätzende Menschen, Workoholiker, affektierte Menschen und jene, die etwas tun, wozu ihnen die Voraussetzungen fehlen... Alle diese Emotionen und Charaktere sind zwar Jang-Merkmale, jedoch fehlen ihnen gleichzeitig die Mittel zur Verwirklichung, somit das Jin. Und je größer das Jin-Defizit, desto größer das Ungleichgewicht zwischen Jin und Jang und desto größer auch das Risiko des Entstehens der Hypertonie.
Die wichtigste Emotion ist der Zorn, ferner die übermäßige Freude und unangemessene Sorgen!
Hypertonie aus emotioneller Belastung entsteht durch die allmähliche Schwächung der Energie Qi, dadurch drückt sich Qi entweder zu sehr nach oben (Jang-Emotion wie Freude und Zorn) oder Qi kann nach unter sinken (Jin-Emotion wie Trauer, Angst und Sorgen).

4. ERNÄHRUNG

Die Ernährung ist ein Kapitel für sich (siehe Harmolinie). Bei der Hypertonie sind 6 wichtige Parameter hervorzuheben:

Art der Zubereitung des Essens – jedes Lebensmittel, das mit dem Feuer in Berührung kommt, ruft im Organismus die toxische Hitze RE DU hervor, die eine Hypertonie bewirken kann. Es handelt sich um gegrillte, gebratene oder ordentlich geschmorte Gerichte (die dann die Hypertoniker künftig ebenfalls schmoren lassen...). Auch Gerichte aus der Mikrowelle, die man ausreichend abkühlen lassen sollte. Am geeignetsten sind für Hypertoniker gedünstete oder gekochte Gerichte, sofern sie imstande sind, diese zu akzeptieren.
Geschmack – eine Nahrung, die stark gewürzt, scharf, salzig, schnell zubereitet ist („Minutengerichte“), auf großem Feuer, von kräftigem Geschmack – dies alles führt zur Entwicklung der inneren Hitze RE und später zur Entstehung der Hypertonie. Fette – das übermäßige Konsumieren tierischer Fette schwächt die Milz und fördert das Entstehen des Schleims TAN, der sich an den Wänden der Blutgefäße absetzt, wodurch sich der Durchmesser verengt und sich gesetzmäßig auch der Druck erhöht. Die chinesische Medizin bevorzugt jedoch Schmalz und Butter, im Unterschied zur westlichen Präferenz gehärteter Fette, da diese synthetischen Fette, die hauptsächlich in der Zeit des Krieges als Fettersatz hergestellt wurden, unserem Körper fremd sind, wobei unser Organismus sie sehr schwer und unter großem Kraftaufwand (Erschöpfung der Milz-Qi) abbaut. Denken Sie nur an Vaseline, auf die Achse der Räder geschmiert, die selbst im Sommer bei vierzig Grad Hitze nicht zerfließt, während Schmalz binnen kurzer Zeit nicht einmal einen Fettfleck hinterlassen würde ...
Alkohol – hat stets Jang-Charakter und bringt Hitze RE in den Organismus, die später Hypertonie hervorrufen kann. Alkohol zerstreut allgemein die Energie Qi, insbesondere in Verbindung mit Emotionen. Es herrscht die irrige Vorstellung vor, dass sich der Mensch nach dem Trinken eines Gläschens „entspannt“ und Jang in Strömung bringt, was allerdings nicht wahr ist. Alkohol zerstreut im Gegenteil noch mehr Jang und führt zu seiner Abnahme. Dieses fehlt später, so dass Alkohol auch der Grund für Depressionen sein kann.
Regelmäßigkeit der Ernährung – unregelmäßige Ernährung, übermäßige oder häufige Nahrungsaufnahme, schwächt die Milz, die dann nicht genügend Energie Qi und Blut XUE produzieren kann. Ein Mangel an Blut XUE XU führt zum Anstieg des Leber-Jangs GAN YANG SHI und nach gewisser Zeit auch zum Entstehen des inneren Windes NEI FENG. Das Herz muss aufgrund des geschwächten Blutes schneller arbeiten, wird mit der Zeit müde, was die Entwicklung der Hypertonie zur Folge hat.
Inhalation – starke Geruchswahrnehmungen als starker Duft, Reinigungsmittel, langfristige Arbeit in einer chemischen Fabrik, jedoch auch eine Chemotherapie rufen das Entstehen des heißen Toxins RE DU hervor, das auch krebserregend wirken kann.
Allgemein wird bei Hypertonie empfohlen, stimulierende und Jang-Gerichte wie schwarzer Kaffee, Alkohol, stark gewürzte Gerichte, fettes Fleisch, Hähnchen, Hase, Lammfleisch, Wildbret, Salz und Gewürze einzuschränken, während im Gegenteil geeignete Lebensmittel die Aubergine, Sellerie, Tomaten, Knoblauch, Getreide, Reis, gekochtes Rind- und Schweinefleisch, sämtlicher Fisch (jeder Fisch ist stets besser als rotes Fleisch) und alles, was aus dem Meer stammt, sind.

5. SEX

Die natürliche Sexualität, die der physischen Konstitution, der Essenz der Nieren, dem Alter, der Jahreszeit und der Ernährung entspricht, ist völlig physiologisch und verletzt nicht die Nieren, die dann stark sind und keine Energie aus ihren Reserven schöpfen müssen. Unnatürlich ist im Gegensatz hierzu aus der Sicht der chinesischen Medizin jedweder Exzess, somit auch beim Sex. Solche ungünstigen Umstände beim Sex sind Hunger, übermäßige Sättigung, übermäßiges Alter, der Winter als Jahreszeit oder der Sex unmittelbar nach dem Essen. Die absolute Katastrophe ist die Modellsituation, in der der Organismus im Zustand des Mangels ist, sich der Mensch überisst, sich betrinkt, und darüber hinaus Januar ist ... Dann kann für die Hypertonie ggf. auch für einen qualitativ weniger guten Nachfahren gesorgt sein! Der sexuelle Akt ist nämlich der erregte Zustand Jang, der gesetzmäßig zu einem Rückgang des Jin (etwas für etwas) und schließlich auch zur Entwicklung der Hypertonie führt. Man sollte dem Brunnen (der Nierenessenz JING) stets eine bestimmte Zeit zur Regenerierung lassen, damit er sich wieder mit Wasser (Jin) anfüllt, andernfalls machen wir die Quelle durch häufige und übermäßige Entnahme (buchstäblich durch das steigende Jang) zunichte und sie versiegt ...
Was ist „übermäßiger Sex“?
Unter der übermäßigen sexuellen Aktivität ist die Ejakulation bei Männern und der Orgasmus bei Frauen zu verstehen. Sexuelle Aktivität, die nicht mit dem Orgasmus abschließt, schwächt nicht die Essenz der Nieren. Normale sexuelle Aktivität schwächt jedoch die Nieren nicht, wenn die Erholung und Erneuerung der Essenz der Nieren erfolgt. Was normale oder übermäßige sexuelle Aktivität ist, ist individuell unterschiedlich. Was für einen Menschen mit schwacher Konstitution übermäßig ist, kann für einen Menschen mit normaler Konstitution üblich sein u.ä.
Eine übermäßige sexuelle Aktivität besteht dann, wenn nach dem Sex Anzeichen von Ermüdung, Schwindel, unscharfem Sehen, Rückenschmerzen, weiche Knie und häufiges Urinieren in Erscheinung treten. Die sexuelle Aktivität sollte dem Alter, der physischen Kondition und der Jahreszeit angepasst sein.

Natürliche Ejakulation bei Männern
nach Alterskategorien (nach G. Maciocia):
Alter Gute Gesundheit Durchschnittliche Gesundheit
15 2x täglich 1x täglich
20 2x täglich 1x täglich
30 1x täglich alle zwei Tage
40 jeden 3. Tag jeden 4. Tag
50 jeden 5. Tag jeden 10. Tag
60 jeden 10. Tag jeden 20. Tag
70 jeden 30. Tag nie


Dies sind lediglich allgemeine Empfehlungen. Die sexuelle Aktivität sollte im Falle der Insuffizienz des Blutes und der Energie Qi sowie insbesondere im Falle der Insuffizienz der Essenz der Nieren eingeschränkt werden. Ähnlich sollte die sexuelle Aktivität auch nach der Jahreszeit so angepasst werden, dass sie im Frühjahr am größten und im Winter am geringsten ist. So kann zum Beispiel die Impotenz bei Männern oder die vorzeitige Entbindung bei Frauen die Folge einer übermäßigen sexuellen Aktivität sein.

Eine gesunde sexuelle Kraft entspricht auch einer gesunden und starken Nierenenergie. Die Schwächung des Nieren-Jang YANG XU bewirkt einen Rückgang der sexuellen Lust mit der Unfähigkeit, den Sex zu genießen und den Orgasmus zu erreichen. Die Schwächung des Nieren-Jin hat in schweren Fällen das Entstehen des leeren Feuers HUO XU zur Folge, das durch eine übermäßige sexuelle Aktivität nicht befriedigt werden kann. Ein solcher Mensch kann lebendige erotische Träume haben, die in einer nächtlichen Pollution bei Männern oder im Orgasmus bei Frauen gipfeln. Daher stärken wir beim Verlust der Libido das Nieren-Jang (Wonne inmitten der Nacht - Code 172) und bei übermäßiger sexuellem Verlangen stärken wir im Gegenteil das Nieren-Jin (Frische der frühabendlichen Pagode - Code 185).

Entwicklung der Hypertonie

Das Entstehen und die Entwicklung der Hypertonie kann entweder allmählich (bei Zuständen des Mangels wie die Insuffizienz des Jin oder des Blutes Xue) oder schnell erfolgen (bei Zuständen des Überschusses z.B. an Leber-Jang GAN YANG SHI).

DIE ALLMÄHLICHE ENTWICKLUNG HAT 3 ETAPPEN:

Die 1. Etappe ist ohne jedwede Symptome, lediglich der diastolische Druck (d.h. der zweite, niedrigere Zahlenwert) ist auf 90 erhöht, sei es zeitweilig oder ständig. Er hat gewöhnlich einen Bezug zur Vererbbarkeit - siehe oben.
Die 2. Etappe verläuft bereits mit beginnenden Symptomen, die allmählich auch bei normalem Blutdruck in Erscheinung treten: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Ohrenpfeifen, schwankender Blutdruck, insbesondere nach dem Essen liegt der diastolische Druck zwischen 90 – 100.
Die 3. Etappe tritt voll auch durch die sonstigen Symptome in Erscheinung, wie Schlaflosigkeit, Unruhe, Kribbeln und Prickeln der Gliedmaße, gerötetes Gesicht und dauerhaft hoher diastolischer Druck auf 120 - 130. Dieser Zustand kann in einem schnellen Prozess oder in den Gehirnschlag „umkippen“.
Die schnelle Entwicklung verläuft innerhalb mehrerer Monate und die Symptome zeigen sich binnen 1 Jahres. Betroffen sind hier jüngere Jahrgänge und der Zustand hängt mit der Vererbbarkeit und einer falschen Lebensweise zusammen. Der diastolische Druck liegt dauerhaft zwischen 120 und bis zu 140, wobei die Schuld überwiegend das steigende Leber-Jang GAN YANG SHI und der innere Wind NEI FENG tragen. Es treten Symptome in Erscheinung wie heftige und reißende Kopfschmerzen, Sehstörungen mit Schwindelanfällen, mitunter der Gehirnschlag mit einer Desorientierung, Ohnmacht, Sprachstörungen und Lähmung des halben Körpers. Gemäß der chinesischen Medizin kann das Kribbeln einer Körperhälfte, insbesondere der linken, oberen, die Vorankündigung des inneren Windes NEI FENG sein, der, sofern er nicht richtig behandelt wird, binnen 3 Jahren gerade mit diesen Anzeichen oder mit einem Gehirnschlag in Erscheinung treten kann.

Ursachen und Behandlung der Hypertonie

Nach der chinesischen Medizin sind für das Entstehen der Hypertonie vier Hauptfaktoren verantwortlich:
1. innerer Wind NEI FENG
2. Feuer HUO
3. Schleim TAN
4. Blockade des Blutes YU XUE

1. INNERER WIND – NEI FENG

Er ist stets mit der Leber verbunden. Ebenso ist er die häufigste Ursache des Entstehens der Hypertonie in unserer abendländischen Gesellschaft.

Er entsteht durch das Ungleichgewicht zwischen Jin und Jang, das vor allem durch unterdrückte Emotionen oder, im Gegenteil, durch stark zum Ausdruck gebrachte Emotionen wie Zorn und Wut verursacht wird.

Der innere Wind hat (wie wir es in der chinesischen Medizin bereits gewohnt sind) zwei Formen:

1. Innerer Wind aufgrund eines Mangels, ob nun des Blutes XUE XU, des Jin, besonders der Nieren und der Leber YIN XU, ggf. auch des Jang YANG XU. Es zeigen sich Symptome wie Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, rosa Gesichtsfärbung, Zittern, Ticks, Muskelzuckungen, Ohrenpfeifen, Rückenschmerzen, Kribbeln und Prickeln der Gliedmaße, bei Frauen unregelmäßige Menstruation.
Der Wind aufgrund eines Mangels tritt im Organismus wie eine Brise in der Natur in Erscheinung, die hier und dort auffrischt und leicht weht, ohne irgendwelche größeren Schäden zu verursachen. Es treten z.B. Ticks, Muskelzuckungen oder leichtes, gelegentliches Ohrenpfeifen in Erscheinung. Demgegenüber verhält sich der Wind aus einem Überschuss wie ein Sturm, der plötzlich aufkommt, mitunter kann er sogar die Stärke eines vernichtenden Orkans oder Tornados annehmen, der alles wegfegt, was ihm in den weg kommt, und so dauerhafte Schädigungen des Organismus verursachen, z.B. eine unumkehrbare Lähmung des Körpers oder des Gehirns nach einem Gehirnschlag.

2. Der innere Wind aus einem Überschuss wird durch das übermäßige Jang der Leber GAN YANG SHI oder durch die übermäßige Hitze RE, ggf. durch das Feuer HUO hervorgerufen.
Diese Hitze entsteht aufgrund der Stagnation des Leber-Qi, das sich in innere Hitze verwandelt, die das Entstehen des inneren Windes NEI FENG ermöglicht. Jede Stagnation oder Blockade, ob es sich nun um die Stagnation oder Blockade des Jin, des Jang, der Energie Qi oder des Blutes XUE handelt, kann sich in Hitze RE oder Feuer HUO verwandeln. Der Wind facht das Feuer an und das Feuer ruft wiederum den Wind hervor - wie die alten Chinesen sagen: „Das Feuer bringt den Wind mit sich und umgekehrt“. Der Wind hat stets aufsteigende Richtung und verhält sich auch in diesem Falle nicht anders. Es zeigen sich Kopfschmerzen, starke Schwindelanfälle, Sehstörungen, Ohrenpfeifen, rotes Gesicht, mitunter auch gerötete Wangen (besonders links, was dem Leber-Jang entspricht) u.ä.
Die Therapie der durch den (mangelnden oder übermäßigen) inneren Wind NEI FENG verursachten Hypertonie aus der Sicht der chinesischen Medizin besteht im Ausschluss des inneren Windes, in der Kühlung der Hitze und des Feuers der Leber, in der Ernährung des Blutes und des Jin der Leber sowie in der Stärkung der Nieren. Ein solches Kräutermittel, das in diesem Falle beinahe als „universell“ bezeichnet werden könnte, ist die Kräutermischung (Lockerung der angespannten Sehne (Code 112), die alle diese Anforderungen erfüllt. Bei ihrem (historisch ersten) Testen in der Tschechischen Republik in einer offenen Studie an 22 Patienten in der internen und kardiologischen Ambulanz wurden subjektive Verbesserungen bei 67 % der Hypertoniker verzeichnet - siehe unten:

Testen der Kräutermischung Lockerung der angespannten Sehne (Code 112) in der kardiologischen und internen Ambulanz 2004–2005 (Primarius MUDr. Pavel Havránek, Èeské Budìjovice)
Die Krankheit der Hypertonie ist gegenwärtig eine Erkrankung mit einer Prävalenz von 35 % in der erwachsenen Bevölkerung im Alter von 25–64 Jahren. Hypertoniker gibt es in der Tschechischen Republik an die zwei Millionen.
Im kardiologischen Sprechzimmer behandeln wir polymorbide Patienten, komplizierte Fälle der Hypertonie.
Diese Patienten wurden bereits zumeist mit mehreren Präparaten behandelt, hatten gewisse Nebenwirkungen der Therapie, oder sie stellen immer noch ein medizinisches Problem selbst bei der modernen Kombinationsbehandlung dar.
Bei der Konstruktion der Studie ging es somit um die Hilfe für symptomatisch Kranke, bei denen die Standardbehandlung für die gegebene Indikation erschöpft war, die andauernde Beschwerden hatten.

viz Medizinische Untersuchung der Kräuter

Ergebnisse:

Eine subjektive Verbesserung führten 16 Patienten (67 %) an, 6 Patienten führten keine markante Änderung des Zustandes an.
In den Beschreibungen der Verbesserung dominierte die Verringerung der Kopfschmerzen, in drei Fällen kam es zu einer Verbesserung des Tinnitus oder Ohrenpfeifens, 8 Kranke gaben verringerte Nervosität und einen besseren Schlaf an.
Unter Beibehaltung der Standardmedikation kam es im dritten Monat zu einem Rückgang des Druckes um mehr als 10/5 bei 11 Patienten, somit bei 46 % der behandelten Hypertoniker. Bei zwei von ihnen konnten wir sogar ein Medikament der Viererkombination aussetzen.

Diskussion:

Nicht alle Symptome können bei den Patienten im kardiologischen und internen Sprechzimmer restlos durch moderne medikamentöse Therapie, durch die Änderung der Bewegungsaktivität und durch eine Diät beeinflusst werden.
Bei zahlreichen Patienten überdauern einige Symptome trotz des komplexen Verfahrens und der Nutzung aller Behandlungsmethoden. Eine interessante Möglichkeit für diese Patienten ist dann die Kombination der klassischen Heilmittel unter Nutzung alternativer Möglichkeiten, wie z.B. die Phytotherapie.
Die Kräutermedizin findet weltweit Verbreitung, genutzt werden unterschiedliche Ressourcen. Wir haben somit auch eine Hilfstherapie durch pflanzliche, aus China eingeführte Präparate zur Verfügung, die als Diätsupplemente erachtet werden. In ihrer ursprünglichen Heimat ist die Nutzung der Heilwirkung der Kräuter Bestandteil des traditionellen Systems der Therapie, die im Verlaufe der Jahrhunderte vervollkommnet wurde, eng mit dem spezifischen diagnostischen Verfahren und mit der Behandlungsphilosophie verknüpft. Die Wirkung der Kräuter ist nach ihrem Einfluss auf die Energiefunktionen und Qualitäten klassifiziert, wird als „Erwärmung, Kühlung, Reinigung, Tonisierung“ beschrieben.
Die analytischen Methoden in den USA und auch in Europa vermochten in diesen Kräutern Öle, Mineralien, Vitamine und zahlreiche Arzneien, häufig sehr komplex, zu entdecken.
Die chinesische Medizin der Kräuter kombiniert, nutzt ihre synergische Wirkung, die im Laufe der Jahrhunderte identifiziert wurde. Solche Mischungen stellen auch Kräutertabletten dar, die leicht zu verabreichen, widerstandsfähig gegenüber Schimmelpilzen sind, und deren Komponenten gut definiert sind.
Die diagnostischen Erkenntnisse des Kardiologen und die chinesische therapeutische Anweisung zu vereinen, ist schwierig. Dennoch waren wir bemüht, Gruppen von Patienten zu definieren, bei denen wir beinahe alle Möglichkeiten der klassischen abendländischen Medizin ausschöpften, und die symptomatisch blieben, darüber hinaus gerade jene Symptome hatten, die der chinesische Arzt bei der Indikation der jeweiligen Kräutermischung nutzt.
Die vorliegende kleine Studie ist offen, mit allen Schwächen eines solchen Vorgehens. Wir sind überzeugt, dass der Placeboeffekt bei Kranken, die auf die klassische kombinierende Pharmakotherapie eingeschworen sind, bereits eingeschränkt ist, indem wir vor dem Einsatz dieser Versuchstherapie auch unsere Möglichkeiten der Psychotherapie ausschöpften. Die subjektive Verbesserung bei 67 % Hypertoniker erachten wir als sehr wahrscheinlichen Beleg der positiven Wirkung auf subjektive Symptome, bei 46 % der Hypertoniker wurde auch ein signifikanter Rückgang des Blutdruckes verzeichnet.
Als wichtigstes Ergebnis der Studie erachten wir den Nachweis des minimalen Auftretens von Nebenwirkungen.
Die zusätzliche Verabreichung der angeführten Kräutermischung erschien auch bei kranken Hypertonikern mit mehrfacher Kombination klassischer Arzneimittel als sicher.


Schlussbemerkung:

Die offene Studie bzgl. 46 Patienten mit einer schwereren Form der Hypertonie stellte die Möglichkeit der Verwendung des Kräutergemisches Lockerung der angespannten Sehne (Code 112) zur symptomatischen Verbesserung der Beschwerden der Patienten unter Beweis. Signifikant verbesserten sich auch einige objektive Kenngrößen, die Werte des Blutdrucks und der Tablettenverbrauch. Wir stellten keinerlei ernsthafte Nebenwirkungen und keine Risiken der medikamentösen Interaktion fest.

2. FEUER – HUO

Die Hypertonie wird durch das innere Feuer hervorgerufen, das am häufigsten (zu 90 %) durch übermäßige Emotionen verursacht wird, während die restlichen 10 % dem Einfluss der äußeren Hitze bzw. des äußeren Feuers zugeschrieben wird, das sich im Organismus ansiedelt und das innere Feuer entfacht (so entsteht u.a. auch die Schuppenflechte).
Stagnationen oder Blockierungen führen früher oder später zur Bildung des inneren Feuers HUO.
Trauer, Angst und Sorgen schwächen das Jin und sind somit die Ursache für das Entstehen des leichten, an der Oberfläche schwimmenden Jang, was in unserem Falle das innere Feuer aufgrund eines Mangels HUO XU darstellt. Es finden sich Anzeichen von Hitze aus der Insuffizienz des Jin, hauptsächlich der Nieren und der Leber YIN XU + RE, wie u.a. Schwindelgefühl, nächtliches Schwitzen, Trockenheit im Hals, Hitze in 5 Herzen (an den Fußsohlen, Handflächen und auf der Brust), Rückenschmerzen, Ohrenpfeifen, gerötete Wangen, wobei die rote Farbe sozusagen an die Oberfläche des normal gefärbten Gesichts gelangt und im Bereich der Kiefer eine verstärkte Rötung auftritt, nächtliche Pollution, erotische Träume, Sterilität, Impotenz, vorzeitige Ejakulation. Die Therapie beruht in der Ernährung des Jin der Nieren und der Leber und in der Verringerung des inneren Feuers. Die Frische der frühabendlichen Pagode (Code 185) ist eine Kräutermischung nicht nur für Frauen in den Wechseljahren, sondern sie wird auch zur Minderung des falschen Feuers HUO XU verwendet.
Später, im Falle des Rückgangs der Symptome des falschen Feuers (d.h. der Hitze in den 5 Herzen, trockener Hals und Mund, Hitzeausbrüche, Rötung der Wangen u.ä.) ist das unzureichende Jin der Nieren und Leber YIN XU zu ergänzen und zu nähren, was zweifelsohne ein Langstreckenlauf ist. In diesem Falle hilft die oben angeführte Kräutermischung der Glanz des Nephritschmucks (Code 182), die nicht nur der Verbesserung des Sehvermögens, sondern auch der Nährung des Jin der Nieren und Leber dient.
Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Arhythmie, Extrasystolen - alle diese Symptome können die sog. emotionelle Hypertonie begleiten, die aus einer Insuffizienz des Jin des Herzens und der Nieren mit dem Feuer im Herzen erwächst. Diese Hypertonie tritt auch als bekanntes Syndrom weißer Mäntel in Erscheinung, wenn beim erwarteten Messen beim Arzt ein wesentlich höherer Blutdruck verzeichnet wird, als im Ruhezustand zu Hause. Die empfohlene Kräutermischung ist hier das Elixier des himmlischen Kaisers (Code 121).
Zu allen drei angeführten Kräutermischungen (Code 185 + 182 + 121) wird stets auch die Kräutermischung Entspannung der gespannten Sehne (Code 112) verwendet.
Zorn und Freude führen dann zum Entfachen des Ministerfeuers in der Leber und des Kaiserfeuers im Herzen, was beides das innere Feuer aus dem Überschuss HUO SHI darstellt.
Es zeichnet sich durch markante Erscheinungen der Hitze aus dem Überschuss RE SHI aus, die gebührend zum Ausdruck gebracht werden und in das Feuer HUO SHI übergehen. Zu diesen Anzeichen gehört ein heftiger Schwindelanfall, Kopfschmerzen, Hitze im Mund, dauerhaft scharlachrote Färbung des Gesichts, gerötete Augen, Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit oder Herzklopfen. Dieser Zustand ist auch am leichtesten zu behandeln, da die Pille des Enzian (Code 014) das Feuer wohl so „löscht“, als wenn aus einem zu stark aufgepumpten Reifen (Zustand des Überschusses) Luft ausgelassen wird, was stets wesentlich schneller geht, als den leeren Reifen (Zustand des Mangels) aufzupumpen. Dieses Feuer darf jedoch nicht zu lange brennen, da es unumkehrbare Schäden verursachen kann, z.B. einen Gehirnschlag mit dauerhaften Folgen (langfristiger Überdruck im Reifen kann zu seinem Platzen führen). Die westlichen Medikamente namens Betablocker, die häufig bei Hypertonie Anwendung finden, löschen aus der Sicht der chinesischen Medizin auch das Feuer, jedoch nicht nur das pathologische (prasselnde Kaiserfeuer im Herzen), sondern auch das physiologische Feuer (Ministerfeuer in den Nieren), ähnlich, als wenn wir ein außer Kontrolle geratendes Lagerfeuer löschen. Die Arzneien wirken zunächst positiv, löschen jedoch auch das zum Brennen erforderliche Brennholz, sodass das Feuer gänzlich ausgeht. Warum ist es überhaupt erforderlich, ein großes Feuer zu löschen? Ein unkontrollierbares Feuer verbrennt alles, die Flammen reichen in die nähere Umgebung und fressen auch die sonstigen Organe. Intensiv wird das Material verbrannt - Holz (in unserem Falle JIN), dass selbstverständlich künftig fehlt, sodass das übermäßige Feuer plötzlich ganz erlöschen kann (Impotenz, Gehirnschlag oder Tod). Einerseits das Löschen des Feuers verlangen (Minderung des Jang) und andererseits gleichzeitig Brennstoff ergänzen (Erhöhung des Jin) ist eine große Kunst und erfordert eine filigrane Arbeit, Es kommt auch auf die körperliche Verfassung des Menschen an: ein übermäßiger oder heißer Typ hat stets eine größere Resistenz gegenüber dem „Löschen“ mit chemischen Medikamenten und ihren Nebenwirkungen. Eine solche negative Wirkung der Betablocker ist die Impotenz oder die verminderte Libido bei Männern (ihnen fehlt das physiologische Feuer des Lebens), was gleichzeitig ergänzt werden kann, allerdings vorsichtig, durch Kräutermischungen, wie das Geheimnis des goldenen Schreins (Code 171) oder das Tibetische Kleinod Cordyceps (Code 198). Nach dem Mindern des pathologischen Feuers wird in der Therapie wiederum mit der Kräutermischung Lockerung der angespannten Sehne (Code 112) fortgefahren, in der Praxis werden häufig beide oben angeführten Mischungen (Code 014 + Code 112) von Anbeginn der Behandlung gleichzeitig verwendet.

3. SCHLEIM – TAN

Der Schleim TAN hängt stets mit der Ernährung zusammen. Er erscheint dann, wenn die Milz nicht alle „schädliche“ belastende Nahrung und Flüssigkeit zu verarbeiten vermag und Feuchtigkeit SHI produziert. Dank der Ansammlung der inneren Feuchtigkeit und ihrer Stagnation wird Hitze RE gebildet (sofern hier bereits die Voraussetzungen zur Hitze bestehen), die dann noch mehr die Feuchtigkeit verdichtet und den heißen Schleim TAN RE bildet. Stellen wir uns ein heißes Rohr vor, durch welches verschlammtes Wasser fließt, dessen Wasseranteil verdampft und wird verdichtet, und zwar durch die Hitze des Rohres. Der Schlamm wird zähflüssiger, haftet an, zirkuliert nur sehr schwer, bis er stagniert, sich absetzt und an den Wänden „klebt“, wodurch sich der Querschnitt des Rohres verringert und sich der Durchflussdruck gesetzmäßig erhöht. Dieser Schleim TAN RE ist gemeinsam mit den Emotionen der Verursacher nicht nur der Hypertonie, sondern auch des erhöhten Cholesterinspiegels, des Spiegels der Blutfette oder der Fettgeschwülste der Lipome. Die Therapie besteht in diesem Falle in der Auflösung des heißen Schleims, im Ausschluss der Feuchtigkeit, in der Stärkung der Milz und im Abzug des inneren Windes, der durch die Produktion der Hitze entsteht. Die empfohlene Kräutermischung ist die Baldachingemach (Code 036) gemeinsam mit der Lockerung der angespannten Sehne (Code 112). Ein geeignetes Supplement ist das Trinken von Tee mit dem Duft des Kaffees, der auch übermäßigen Kaffeetrinkern ihre Droge ersetzt und darüber hinaus der Verdauung und dem Auflösen des „Schlamms in den Rohren“, somit des heißen Schleims in den Blutgefäßen förderlich ist.

4. BLOCKADE DES BLUTES – YU XUE

Die Blockade des Blutes aus dem Überschuss YU XUE SHI kann auch eine Hypertonie bewirken, indem sich der Schleim TAN allmählich an den Wänden der Blutgefäße in Gestalt der Arteriosklerose (ggf. auch in Gestalt verschiedener Gehirnzysten oder Geschwülste), wodurch sich wiederum der Querschnitt verengt und der Druck erhöht. Das Blut Xue hat gemeinsam mit dem Schleim TAN eine erheblich Viskosität, ist zähflüssig und sein langsamer Durchfluss ist die Ursache der Entstehung von Embolien, Thromben oder bläulicher Krampfadern (gerötete Krampfadern entstehen auf der Basis der Blockade des Blutes aufgrund es Mangels an YU XUE XU). Typische Anzeichen der Stagnation des Blutes aus einem Überschuss YU XUE SHI sind: violettfarbene Haut, die schwarz wie Lehm und trocken ist; violett scheinende Färbung der Lippen und Nägel, violettfarbene Zunge, manchmal auch mit dunklen Pünktchen; punktförmige Schmerzen auf der Brust, manchmal auch um den Magen, dunkler Stuhl. In der westlichen Medizin entspricht diesem Zustand am häufigsten Angina pectoris, Arteriosklerose, Zustände nach einem Infarkt des Myokards und Bypass, Varizen, Embolien, Thrombosen, Venenentzündungen und Claudicatio (d.h. Schmerzen der unteren Gliedmaße beim Gehen). Die Therapie besteht im Entblocken des Blutes, in der Beseitigung des Schleims, im Ingangbringen und in der Ernährung des Blutes sowie in der Minderung der inneren Hitze. Eine Kräutermischung mit diesen Wirkungen ist Edles der Lotosblüte (Code 042) oder Befestigung des unterspülten Ufers (Code 041), die gemeinsam entweder mit einer Pille des Enzian (Code 014) im Falle des Feuers HUO SHI, oder mit Lockerung der angespannten Sehne (Code 112) beim inneren Wind NEI FENG verabreicht wird. Die Kräutermischung Edles der Lotosblüte (Code 042) wurde durch Primarius MUDr. Pavel Havránek in der kardiologischen und internen Praxis in Èeské Budìjovice im Jahre 2005 getestet. Anhand einer Gruppe von 22 Patienten mit Angina pectoris wurde in einer offenen Studie die Wirksamkeit dieser Kräutermischung festgestellt. Therapie wurde von 77 % der Patienten (17 Patienten) positiv bewertet. Diese Patienten gaben eine Verringerung der Häufigkeit der Anfälle von Schmerzen auf dem Brustkorb oder des Verbrauchs von Nitroglyzerintabletten an. Fünf Patienten führten auch eine Verbesserung des Atmens an, 3 Patienten beobachteten einen Rückgang der Ödeme der unteren Gliedmaße. Angesichts dessen, dass während der Studie die Dosen der sonstigen Medikamente, einschließlich der Statine und Fibrate frei geändert wurden, können die Änderungen der Blutlipide und der Einfluss der Therapie und der Dyslipoproteinämie nicht bewertet werden.

viz Medizinische Untersuchung der Kräuter

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist bei der Hypertonie gemeinsam mit der Anwendung von Kräutermischungen die effektivste kausale Therapie. Sie besteht in der Änderung der Lebensweise, und zwar nicht nur der Speisekarte, sondern auch in der Einführung der Regelmäßigkeit, der Angemessenheit und Ausgewogenheit zwischen Wachen und Schlafen, Arbeit und Erholung, zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, zwischen sportlicher Betätigung und Entspannung ...
Menschen mit Hypertonie sind jedoch zumeist nicht bereit, solche, ihrer Meinung nach überflüssigen Ratschläge und Worte zu befolgen. Denn sie haben schließlich ihren eigenen Kopf und wissen am besten, wie man es angeht! Dann können wir den Weg gehen, dass wir ihnen dezent den Gedanken an den Tod in Erinnerung rufen, um sie anzuregen, hin und wieder über den Sinn ihres Verhaltens und des Lebens überhaupt nachzudenken. „Das Leben sind nicht endende Ferien“ besagt ein chinesisches Sprichwort und erinnert an jenes lateinische „Carpe diem“ oder Nutze den Tag, und zwar mit allen seinen Freuden und Sorgen. Schließlich meinte auch ein tschechischer Klassiker, dass jeden Tag etwas Schönes beginnt und jeden Tag auch etwas Schönes endet. Der Mensch sollte (in vernünftigem Maße) alles um sich herum nutzen, ohne das Verlangen zu spüren, all dies zu besitzen, so, wie zum Beispiel im Urlaub in einem Luxushotel, wo Schwimmbecken, Sauna, Tennisplatz u.ä. zur Verfügung stehen. Wenn wir sterben, nehmen sowieso nichts mit, da das „Trauerhemd keine Taschen hat“.
Übrigens erklärte auch Jára Cimrman, dass es „verboten ist, egal was, mit ins Grab zu nehmen!“ Was alles führt zur Erhöhung des Jang und somit auch zum möglichen Entstehen der Hypertonie? Das Verfolgen von Horror- und Actionfilmen, von Sportübertragungen, mitunter auch der Nachrichten und der TV-Nachrichtensendungen, das Hören von zu lauter Musik oder von Musik aus Kopfhörern, Hasardspiele, Automaten, Wettspiele.
Adrenalin gibt es um uns herum mehr als genug und einige Menschen suchen noch bewusst danach oder schaffen es sich selbst. Interessant ist beispielsweise, dass in einer Adrenalin- (Jang-) Zeit der Kriege, Erdbeben, Tsunami oder Überschwemmungen niemand die Tendenz hat, Sportarten des Typs Bungee Jumping zu betreiben. Ihr Boom tritt stets erst in der Zeit der Ruhe ein, wenn dieses Adrenalin gewissermaßen fehlt.
Anstelle dieser Jang-Aktivitäten und Sportarten sollten wir uns eher dem Lesen (auch von Gedichten), der Kunst, der Philosophie, Ausstellungen (nicht Auktionen!!), Spaziergängen in die Natur, langsamen und beruhigenden Übungen des Typs Chi-Kung und Tai-Chi u.ä. widmen, um den unaufhaltsam in den unendlichen Tunnel rasenden Schnellzug des Lebens zu verlangsamen und abzubremsen ... Wir sollten uns etwas beruhigen. „Einige tragen Büffelleder, anderen wiederum müssen Pfeil und Bogen tragen“ – dieser konfuzianische Ausspruch will sagen, dass einige Menschen (die schnellen, aktionsfreudigen - unser Fall) bremsen und etwas herunterfahren sollten, so, wie das Büffelgespann langsam das Reisfeld durchfurcht, während andere (die langsamen, schwerfälligen Menschen) ihre Ziele schneller und geradliniger erreichen sollten, so, wie ein abgeschossener Pfeil sein Ziel trifft.
Der Mensch ist ein seltsames Geschöpf - sobald es ihm gut geht, dauert es nicht lange und er selbst sorgt dafür, dass dies nicht so bleibt. Stets ereignet sich etwas, oder er selbst führt etwas herbei, und gleich ist alles anders. Dies ist so ein Jin und Jang in der Praxis, nach oben, nach unten, einfach eine gewisse Schaukel des Lebens. Es geht nur darum, dass wir nicht von der Schaukel fallen und auch eventuelle Stürze und Erschütterungen überstehen, dass wir es verstehen, die Vernunft beim Schopfe zu packen, den Weizen von der Spreu zu trennen und auch aus dem größten Schlamassel heraus zu kommen.
Auch hier gilt, dass das, was den Menschen nicht umbringt, ihn stärkt, jedoch gleichzeitig auch die Feststellung, dass man den Menschen zwar besiegen, jedoch nicht vernichten kann!

Hosenträger, Flicken und andere Mechanismen

Welcher Unterschied besteht eigentlich zwischen der westlichen (chemischen) Behandlung und der chinesischen (auf Kräutern basierenden) Behandlung der Hypertonie? Am besten lässt sich alles an Beispielen aus dem Leben erklären. Es sei ein komisches Beispiel angeführt, da der Humor den Menschen selbst in der Krankheit nicht verlassen sollte.
Stellen wir uns die Hypertonie als Patienten in der Turnhose vor: der Gummi in der Turnhose ist das Blutgefäß, der Patient das, was durch das Gefäß hindurchfließt. Mit der Zeit rundet sich unserem Patienten das Bäuchlein (erhöht sich der Druck), sodass sich somit auch der Druck auf den Gummi (Druck auf die Blutgefäße) erhöht. Die abendländische Medizin lockert den Gummi mithilfe von Medikamenten des Typs Betablocker und Vasodilatatoren - Arzneien zur Erweiterung der Gefäße (dehnen den Gummi) und mithilfe von Diuretika - harntreibenden Arzneien, die den Organismus unnatürlich entwässern und so das Volumen des Bauches des Patienten verringern. Der Zweck heiligt die Mittel und der Druck wird hierdurch zeitweise geregelt. Natürlicher wäre jedoch einfaches „Abnehmen“ des Patienten, somit die Beseitigung der Ursache. Dieses „Abnehmen“ besteht gemäß der chinesischen Medizin in der Verringerung des erhöhten Jang, das auf die Gefäße (und somit auch auf den Gummi der Turnhose) drückt. Nach einer bestimmten Zeit hören jedoch die chemischen Arzneien bei unserem westlichen Patienten zu wirken auf, da sich der Gummi mit der Zeit dehnt, sodass die Turnhose, damit sie nicht auf den Boden fällt, Hosenträger erhält, in unserem Falle eine Dreierkombination weiterer westlicher Medikamente. Unser Patient ist allerdings ein leidenschaftlicher Esser und ständig bei gutem Appetit, sodass er binnen kurzer Zeit nicht mehr in die Turnhose passt, die ihm zu eng ist und einschnürt, was der dichter werdenden Füllung in den Blutgefäßen (aus chinesischer Sicht der Blockade des Blutes) entspricht. Nun kann jedoch der Gummi, auch mittels der Hosenträger, nicht weiter gedehnt werden, da er andernfalls reißen würde. Daher sind Medikamente zu verwenden, die eine Ansammlung der Blutplättchen verhindern, Antikoagulantien und auch Bypässe sowie künstliche Verengungen, was dem Einsetzen eines Keils in die Turnhose und das Anstücken des Gummis entspricht, damit die Füllung in sie hineinpasst.
Mitunter passiert es, dass der Gummi oder die Turnhose trotz aller Flicken und Keile reißt - eine solche Situation wäre dann ein Gehirnschlag: beim Reißen der Turnhose handelt es sich um einen schwachen Gehirnschlag, bei welchem sich die Folgen mehr oder weniger normalisieren und stabilisieren (je nach dem Ort der Beschädigung kann ein Flicken aufgenäht werden), beim Reißen des Gummis sind die Folgen bereits unumkehrbar - Lähmung, mitunter das definitive Ende. Wer einen hohen Blutdruck hat, den trifft der Schlag, sagten unsere Großmütter und wir können lediglich hinzufügen:
So lange wird der Gummi gedehnt, bis der Henkel abbricht.
Manchmal sollten wir unsere alte, zerrissene und enge Turnhose gegen eine neue, größere und hübschere umtauschen, doch leider ist diese Ware nicht auf Lager (und kann auch nicht bestellt werden). Die Gesundheit ist eben keine Semmel im Laden - wir haben nur eine und dementsprechend sollten wir mit ihr umgehen.
Patienten mit Hypertonie kommen zur chinesischen Medizin zumeist erst nach einer gewissen Zeit, wenn sie von den westlichen Arzneien „geheilt“ und die Gummis unterschiedlich ausgeleiert sind. Die Behandlung aus der Sicht der chinesischen Medizin besteht dann in der langzeitigen Anwendung natürlicher Mittel (Kräutermischungen). Diese Kräutermischungen, die hilfreichen „chinesischen Hosenträger“, werden entweder gleichzeitig mit chemischen Arzneien oder eigenständig, praktisch jedoch lebenslänglich, angewendet, weil sonst die Turnhose nicht hält.
Achten wir also gut auf unsere Turnhose – schützen wir unsere Gesundheit, bevor es zu spät ist...

MUDr. Petr Hoffmann


Quelle:
Vorträge in Sinologische Universität in Prag 1990 – 1995
Persönliche Informationen beim Studium in Nanjing University of TCM in 1996 Eigene Erfahrungen von meiner TCM Praxis 1990 – 2009

Literatur:
Giovanni Maciocia: The Foundation of Chinese Medicine, The Practice of Chinese medicine, Diagnosis in Chinese Medicine
Henry Lu: Chinese natural Cures, Chinese System of Food Cures, TCM – An Authoritative and Comprehensive Guide
Dan Bensky: Materia Medica of Chinese Herbal Medicine
Dan Bensky, Randall Barolet: Formulas and Strategies of Chinese Herbal Medicine
Bob Flaws: The Treatment of Modern Western Diseases with Chinese Medicine, Handbook of TCM Patterns and Treatments Philip Sonneau
Lu Gang: The Treatment of Disease in TCM I. – VII.
Mark Taylor: Chinese Patent Medicine
Jane Paul Fratkin: Chinese Herbal Patent Medicine
Harriet Beinfield, Efrem Korngold: A Guide to Chinese Medicine