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"Evidenzbasierte Medizin" und TCM

Heutzutage wird der Begriff „Evidenzbasierte Medizin“ (EBM – Evidence Based Medicine) in allen Fällen dekliniert, die von Wissenschaftsforschungen und von dem „garantiert einzig richtigen Vorgang“ bei jedem Patienten ausgeht. Sie hat ursprünglich drei gleichwertige Aspekte mit inbegriffen: 1. Klinische Erfahrung des Therapeuten 2. Individualität des Patienten 3. Die besten Beweise aus den Datenbasen. Fortlaufend hat jedoch die Individualität des Patienten an Wert verloren und als Hauptargument ist der dritte Punkt geblieben – also die Behandlung des Patienten gemäß der Statistik der großen Komplexe und der Zufallsauswahl der Patienten, also die Behandlung des Patienten in Übereinstimmung mit den „Protokollen“ oder „Richtlinien“…

 

Aus den Garagen in alle Apotheken

Zur besseren Vorstellung werden wir uns vom Gesichtspunkt der TCM an unserer bewährten Parallele mit Autos richten. Um unsere Gesundheit (resp. Auto) müssen wir uns im Wesentlichen nur selbst verdient machen - es kommt primär auf uns selbst an, ob wir dafür sorgen und sie im guten Zustand dauerhaft erhalten. Der Arzt funktioniert in diesem Fall nur als ein guter (bzw. manchmal auch nur als ein schlechter) Automechaniker – er ist also ein „bloßer“ Instandhalter im guten und auch im echten Wortsinn. Die Bezeichnung des Instandhalters ist hier ohne irgendwelchen abwertenden Ton als eine Visitenkarte eines hochwertigen Autoschlossers gemeint, der seine Arbeit gut versteht und sie hochwertig ausübt, denn jedes Auto benötigt eine gute Instandhaltung von Zeit zu Zeit (Ölnachfüllung, Einstellung des Motors, Austausch der Bremsklötze...). Es kommt immer auf jeden von uns selbst an, wie wir mit der Gesundheit umgehen (wie wir mit dem Auto fahren, welchen hochwertigen Kraftstoff und Öl wir verwenden...). Aufgrund dessen scheint dann auch der Vorgang der westlichen medizinischen Statistik, der ausschließlich auf „Beweise“ orientiert ist, ein wenig abweichend zu sein, als jener Gesichtspunkt der sich nach der traditionellen chinesischen Medizin auf Gesundheit und Krankheit richtet. Wir könnten so die Worte von Jan Werich in Ruhe paraphrasieren: Aber man weiß eigentlich nicht, was die chinesische Medizin ist. Aber das gefällt mir, wenn man etwas nicht weiß und wenn es seit Jahrtausenden funktioniert. Es ist schlimmer, wenn man etwas absolut genau weiß, aber wenn es nicht funktioniert... Die Chinesen legen nämlich nicht allzu viel Wert darauf, WIE ES funktioniert (durch welchen Wirkungsmechanismus), sondern WARUM ES funktioniert (welchen Sinn und welchen Nutzen es hat). Die beiden Fragewörter WIE und WARUM sind jedoch immer von großer Bedeutung, ähnlich wie zwei Gleise oder die rechte und die linke Lunge, die für die ordnungsgemäße Funktion notwendig sind - und darüber hinaus sind die Worte von Konfuzius in diesem Zusammenhang auch sehr prägnant: Wer lernt, jedoch dabei nicht mitdenkt, ist verloren; wer mitdenkt, jedoch dabei nicht lernt, ist verwirrt.

 

Allgemeine pharmazeutische Autoreparaturwerkstatt

Die westliche Medizin wird die Wirksamkeit eines ausgewählten chemischen Medikaments anhand einer bestimmten Art von Kopfschmerz untersuchen. Sie wählt sich 100 Menschen mit dieser Art von Kopfschmerz aus. Sie stellt fest, dass die Wirksamkeit des Medikaments bei 80 % liegt. Hurra! Wir setzen das Medikament in die Praxis um und ordnen (mittels der Fachgesellschaften der Ärztekammer) bei allen Ärzten an, dieses Medikament im Rahmen des einheitlichen Vorgangs, sog. lege artis bei dieser Art von Kopfschmerzen zu verwenden. Aber was soll man mit den übrigen 20 % Prozent Patienten tun, bei denen die Behandlung nicht wirkt oder bei denen sie noch dazu schädigt - wie soll man diese behandeln, wenn die „Beweise“ eigentlich insgesamt eindeutig sind (80 %)? Sie sind einfach in die Forschung nicht hereingekommen und sie sind irgendwie hinderlich... Aber der Befehl von den übergeordneten Fachkreise lautet klar: Alle diese spezifischen Kopfschmerzen mit demselben Medikament zu behandeln! Wenn der betroffene Arzt nicht nach der „letzten Forschung der Wissenschaft“ und nach der „Evidenzbasierten Medizin“ behandelt, wird er mit Verachtung angesehen oder es droht ihm die Vertragsauflösung mit der Krankenkasse oder es kann ihm sogar die Lizenz (zum Glück nicht der Titel…) entzogen werden. Diese atypischen Ärzte „Renegaten“ gehören einfach nicht in die „gelehrte Gesellschaft des Ärztestandes“ und als solche müssen sie eliminiert werden, damit sie der jetzigen modernen Medizin und vor allem dann den pharmazeutischen Monopolen nicht hinderlich sind…Und darin besteht wahrscheinlich auch das Problem des gordischen Knotens. Die Forschungen werden heute nämlich wieder von der pharmazeutischen Lobby bezahlt, welche über genügend Finanzen aus dem endlosen Kreis des Verkaufs der chemischen Medikamente verfügt. Es ist ähnlich, als wenn amerikanische Rüstungsfirmen (unter dem Mantel der „unabhängigen Fachgesellschaften“) die Waffen an die USA und zugleich auch an Al-Qaida liefern würden, wobei sie beiden Parteien die Lieferungen und sich selbst dann die Gewinne ständig erhöhen würden, ohne dass der ursächliche Konflikt überhaupt einmal in der Zukunft erfolgreich gelöst würde. Weil das Ziel nicht darin besteht, das Problem ein für alle Mal zu lösen, denn was würden dann die Rüstungsbetriebe (und Pharmazeuten) produzieren… Aber dies droht gar nicht, denn das alles hat die pharmazeutische Lobby bereits längst „versichert“ – mehrfach über ihre eigenen „Rückversicherungen“ in der Form ihres „Versicherungsnehmers“, also des potentiellen (manchmal auch lebenslangen) Patienten.

 

Markenservice TCM

Eine andere Stellung gegenüber der Krankheit und dem Menschen hat wiederum die traditionelle chinesische Medizin. Es geht ihr nicht um eine einzelne Krankheit, aber um die Heilung des ganzen Menschen - immer mit Bezug auf seine Konstitution, in unserer Analogie auf einen bestimmten Typ des Autos. Ein guter Arzt sorgt für eine Krankheit. Aber ein ausgezeichneter Arzt sorgt für einen Patienten mit einer Krankheit. Jeder Mensch ist zwar ein Original, aber trotzdem kann man bestimmte körperliche und seelische Charakterzüge beobachten, die für den bestimmten Typ spezifisch sind, wie es ähnlich Autos verschiedener Marken gibt. Stellen wir uns z.B. einen dicken, roten und oft schwitzenden Menschen vor und einen anderen Menschen, der mager, blass und verfroren ist, wobei die beiden am „gleichen“ Typ von Hauptschmerzen leiden. Solche Patienten sollten dann gemäß der westlichen Medizin (statistisch) gleich behandelt und geheilt werden. Einer der Grundsätze der TCM besagt: Die gleichen Krankheiten werden unterschiedlich behandelt, jedoch unterschiedliche Krankheiten werden wiederum gleich behandelt. Einige Dinge sieht man nur von einem bestimmten Blickwinkel, nur dem bestimmten zweiten Blickwinkel… Schon Hippokrates hat gesagt: Es ist viel wichtiger zu wissen, welcher Typ des Menschen an der Krankheit leidet, als zu wissen, an welchem Typ der Krankheit der Mensch leidet. Alte Meister der traditionellen chinesischen Medizin haben die Konstitution jedes einzelnen Menschen immer für das Wichtigste gehalten und haben sich deshalb nach folgendem Grundsatz gerichtet: Alles hängt von der Konstitution des Patienten ab! Die TCM basiert nämlich auf Erfahrungen (Experience), die im Gegensatz zur westlichen Medizin, die von wiederholten Versuchen (Experiment) ausgeht, über Jahrhunderte oder Jahrtausende erprobt ist. Dies ist jedoch bei weitem nicht dasselbe. Ein guter Arzt behandelt die Krankheit. Ein ausgezeichneter Arzt behandelt jedoch den Patienten, der an der Krankheit leidet. Laut TCM können wir in verschiedene Typen der Autos nicht das gleiche Öl gießen. Die westliche Medizin „behandelt“ das Auto, das zwar vier Räder und ein Lenkrad hat, aber das nur mit Problemen fährt (ähnlich wie ein Mensch, der 4 Extremitäten und einen Kopf hat, der nicht aufhört, ihm weh zu tun). TCM „behandelt“ jedes Auto so, dass sie zuerst seine Marke und Art von Motor (physische Konstitution) feststellt und danach auch im Markenservice die Ursache der Störung (Krankheit) bestimmt. Laut TCM ist es also nicht möglich, eine Ölsorte für alle Arten von Autos zu nutzen. Es ist ebenso nicht möglich, ein pauschales Medikament beim Testen von verschiedenen Menschentypen zu nutzen. In diesem Fall ist die Statistik nur ein präziser Komplex an unpräzisen Zahlen... Auch wenn sie die gleichen Beschwerden haben, ist die Ursache bei jedem Typ jeweils anders! Ein Auto ist ein Zweitakter (kalter Typ), ein anderes ein Viertakter (heißer Typ), ein anderes ein Vierzylinder (ungenügender Typ), ein anderes Sechzehnzylinder (übermäßiger Typ), irgendwelche brauchen Benzin (trockener Typ), andere wiederum Diesel (feuchter Typ) usw (Mehr HIER). Nicht nur der Inhalt (des Motors), sondern auch die Form (Aussehen der Karosserie) können miteinander verschieden kombiniert werden: ein Auto ist ein Innenlenker, aber der Motor kann sowohl ein Diesel-, als auch ein Benzinmotor sein, ein anderes Auto wiederum ein Pickup mit einem Vierzylinder, ein anderes ein Sechzehnzylinder-Cabriolet oder ein Kombi mit Zweitaktmotor usw. – der Variabilität werden weder bei Autos, noch bei Menschen irgendwelche Grenzen gesetzt. Zugleich gilt jedoch, dass jeder Typ und jede Automarke (physische und psychische Konstitution) immer bestimmte übliche Zeichen (und prädisponierend Beschwerden) mitnehmen. In einem Markenservice kennt man dies alles bereits im Voraus und man kann auf diese Weise einfacher voraussehen, wodurch der Weg aus den Beschwerden (nicht) führt. Es gibt selbstverständlich auch bestimmte eingeleitete Vorgänge, die ohne Bezug auf den Autotyp (Konstitution) universal geltend zu machen sind, wie z.B. bei einer Reifenpanne (Verletzungen und Frakturen – Zähigkeit der Bambussprossen, Code 205) oder beim abgeschürften Lack (Virenkrankheiten und Erkältung – Getränk des Silbernen Winds, Code 844), u. ä. Darauf, dass jeder Mensch einzigartig, originell und individuell ist, deutet eine einfache Tatsache hin – es genügt nur, sich eine Packungsbeilage bei den meisten chemischen Medikamenten anzusehen, wo unerwünschte oder sog. Nebenwirkungen der Medikamente beschrieben sind: es kann Durchfall oder Verstopfung, Appetitlosigkeit oder übermäßigen Hunger, Kältegefühl oder Hitze, Gewichtszunahme oder umgekehrt Gewichtsabnahme, Bluthochdruck oder niedrigen Blutdruck, übermäßige Menstruationsblutung oder Stillstand der Menstruation u. ä. verursachen… Diese scheinbar unlogischen und gegenläufigen Symptome sind jedoch vom Gesichtspunkt der TCM und der Konstitution absolut logisch, denn jeder Mensch ist ein anderer Typ und wir reagieren auf die gleichen Medikamente verschieden. Deshalb ist es nach der TCM nicht möglich, allen Menschen dasselbe Medikament zu geben und überdies davon eine Statistik zu machen und das als die einzig richtige Medizin auszugeben, die auf „wissenschaftlichen Beweisen“ gegründet ist. Selbstverständlich ist in dringenden und das Leben bedrohenden Zuständen nichts zu lösen, dort ist es nötig, das gesamte Arsenal der modernen Medizin einschließlich der das Leben rettenden Medikamente zu nutzen und auszunutzen. Aber die absolute Mehrheit der chemischen Medikamente wird langfristig eingenommen, wie z.B. bei sämtlichen synthetischen Hormonen, bei den Antidepressiva u. ä. . In diesem Zusammenhang haben dann die obigen Behauptungen über die Einzigartigkeit jedes Menschen ihre Begründung und den praktischen Sinn.
Deshalb gilt beispielsweise in der TCM auch die heute so oft propagierte Regel nicht, dass jeder Mensch mindestens 2,5 Liter an Flüssigkeit pro Tag trinken sollte, da er sonst krank wird - die Tagesmenge der aufgenommenen Flüssigkeiten hängt nämlich von vielen Faktoren ab, insbesondere vom Typ des Menschen und seinem körperlichen Zustand, von der Jahreszeit, vom Klima, von der physischen Belastung, von der Ernährung, usw., z.B. beim feuchten Typ,, (derjenige, der das Wasser in sich behält, ein sozusagen „durchtränkter Tafelschwamm“) der den Mindestbedarf an Flüssigkeit in sich behält, denn durch übermäßiges Trinken würde sich seine innere Feuchtigkeit noch zusätzlich erhöhen. Umgekehrt - beim trockenen und heißen Typ, ((derjenige, bei dem die Flüssigkeit austrocknet, irgendein „überhitzter Motor, der die Abkühlung benötigt und wo das Wasser im Kühler verdampft“) der einen viel höheren Bedarf an Flüssigkeit hat als 2,5 Liter pro Tag, da er sonst „überhitzt und austrocknet“. Aufgrund dessen macht es auch keinen großen Sinn, die „wissenschaftlichen“ Empfehlungen genau nach Tabellen einzuhalten - unser Körper sagt uns immer selbst am besten, was er benötigt und es ist nur notwendig, auf die eigene gesunde Vernunft zu hören.

 

Das Ziel ist der Weg (zur Gesundheit)

Aus diesem einfachen Grund können in der TCM keine Forschungen durchgeführt werden, die den Statistiken der westlichen Medizin ähnlich sind, denn diese würden Menschen wie auch Autos - ein Stück gleicht einem Menschen - gerne rechnen. Die TCM geht jedoch immer von dem konkreten körperlichen Typ des Menschen (z.B. kalter oder heißer Typ) aus, wenn jeder eine andere Ölsorte benötigt, jemand braucht dann das Benzin, ein anderer den Diesel, u. ä. Außerdem bedeutet der „Erfolg“ der Behandlung mittels der westlichen Medizin bei 80 % Patienten nicht, dass der Mensch als solcher geheilt wird, aber dass nur ein verfolgter Bestandteil – und oft nur vorübergehend geheilt ist. Wenn wir z.B. ins Auto eine „pauschale“ Ölsorte nachfüllen, fährt dieses Auto zwar eine Weile, aber nach einer bestimmten Zeit wird der Motor überflutet, die Düsen verstopft, seine Leistung senkt… Beispielsweise wird der heiße und übermäßige Menschentyp wird bei der ungeeigneten „aufwärmenden“ Behandlung noch mehr „überhitzt“ (dem kalten würde es im Gegenteil helfen) und in seinem Körper beginnen dadurch weitere Gesundheitsprobleme (z.B. Hochblutdruck, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Verstopfung, Nervosität, Gereiztheit…) verursacht. Dieser Zustand stellt die sog. „Nebenwirkungen“ der chemischen Medikamente dar. Daraus ergibt sich, wie wichtig es ist, viel Grütze im Kopf zu haben und seine igene körperliche Konstitution zu kennen! Dazu dient auch der einfache Test Gute Ernährung, der Online, kostenlos und anonym ist und der auf unserem Web www.chinesischekrauter.com zur Verfügung steht.

Aus dem vorstehend Genannten ergibt es sich jedoch nicht, dass die TCM die Vorteile und Erfolge der westlichen Medizin verneint, sogar im Gegenteil, sie schätzt die jetzige moderne Medizin sehr hoch, die durch ihre Technik und Technologie - vor allem bei akuten, lebensbedrohenden Zuständen - absolut konkurrenzlos ist. Dasselbe gilt auch bei vielen operativen Methoden. Die Domäne der TCM sind dann wieder meistens Funktionskrankheiten und chronische Krankheiten, wo diese Stellung gegenüber dem Menschen wieder ein wenig „überhand“ nimmt. Optimal wäre es, diese beiden Systeme so zu harmonisieren, dass sie zu Gunsten des Patienten - und somit zu seiner Gesundheit dienen! Keine Medizin, egal ob westlich oder östlich, chemisch oder natürlich kann alles heilen. Es ist jedoch immer nötig, die Rückkehr der Gesundheit anzustreben und nicht vorzeitig aufzugeben, sich nicht entmutigen zu lassen.... Die Natur ist nämlich mächtig - übrigens, hat das schon Hippokrates gesagt: Die Natur heilt die Krankheiten!

Es wird die Zeit kommen, wenn sich unsere Nachkömmlinge wundern werden, dass wir solche offensichtlichen Sachverhalte nicht gekannt haben. Seneca

Text: Dr.med. Petr Hoffmann
Abbildungen: Akad. Arch. David Vávra

 

Treffend ist es in dem Buch Velmi osobní kniha o zdraví (Sehr persönliches Buch über die Gesundheit) von unserer führenden Spezialistin für die Ernährung Mgr. Margit Slimáková Ph.D. beschrieben:

Wie funktioniert die pharmazeutische Industrie

Zur Qualität, oder vielmehr zur Nicht-Qualität vieler medizinischer Studien äußert sich ausführlich auch der britische Epidemiologe Ben Goldacre in seinem Buch Korrupte Pharmazie (CPress 2013), wo er beschreibt, wie einfach man die Interessen der pharmazeutischen Industrie in den vorgeblich pharmazeutischen Studien verkaufen kann und wie schwierig es für gewöhnliche Sterbliche (und manchmal sogar auch für unfehlbare Ärzte) ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es handelt sich um die bisher umfangreichste Dokumentation von Tricks, mit deren Hilfe die pharmazeutische Industrie an die Patienten auch unwirksame, und in einigen Fällen sogar gesundheitsschädliche Medikamente liefert. Es ist ein öffentliches Geheimnis, dass die Produzenten der Medikamente ihre Produkte verschönern, die Ärzte über deren Einzigartigkeit überzeugen und mehr Geld für die Verbreitung der verzerrten Informationen über ihre Produkte als für die Forschung ausgeben. Eine schockierende Feststellung von Doktor Goldacre ist der riesengroße Umfang dieser Vorgänge an der Grenze der Legalität, deren Raffinement und die Beteiligung der Fachpresse und der offiziellen Organe an dem Betrug, welche die Industrie regulieren sollen. Die Medikamente werden meist von den Herstellern selbst in den sehr schlecht entworfenen Prüfungen und an einer äußerst kleinen Menge von ungeeignet ausgewählten Patienten getestet. Die Tests werden mit Hilfe von Techniken analysiert, die so angepasst sind, dass sie ihren Nutzen zu hoch bewerten. Auch wenn die Ergebnisse der Prüfungen trotzdem nicht zusagen, haben die Hersteller das volle Recht, sie vor den Ärzten und Patienten geheim zu halten. Die von den Herstellern finanzierten und durchgeführten Studien erreichen auch nach Goldacre bedeutend günstigere Ergebnisse als die unabhängigen Studien. Zum Beispiel die Ergebnisse der pharmazeutischen Studien, welche die Wirksamkeit von Statinen, also von den das Cholesterin reduzierenden Medikamenten, die jeden Tag Millionen Menschen in aller Welt verschrieben werden, verfolgt haben, waren im Vergleich mit den unabhängigen Tests 20x häufiger günstiger!

Die Moderne Medizin ist auf Beweisen gegründet. Zumindest sagt sie es über sich selbst. Die Ärzte präsentieren sie als unanfechtbar, funktionsfähig und einzig richtig. Was bedeutet das jedoch? Gibt es eine genau festgelegte Anzahl von Studien, welche die Wirksamkeit der Medikamente oder der Methode bestätigen, von den geheilten Patienten, den systematischen Übersichten, welche den Status der klassischen Medizin bestätigen würden? Es ist eindeutig sicher, dass die Vorgänge, Therapien und Medikamente, die sie nutzt, nur lindern und heilen? Nein, gar nichts davon... Viele Beschwerden kann sie nicht heilen, obwohl es nach den Forschungen möglich sein sollte, viele Heilungen kann sie nicht erklären. Ein Problem sind auch die Nebenwirkungen der Medikamente, die manchmal mehr schädigen als helfen, das finanzielle Interesse der Ärzte und der pharmazeutischen Firmen und das pharmazeutische Business, das von dem Interesse des Patienten getrennt ist. Aber anstelle der Abweisung bemühe ich mich zu verstehen, ich suche eine Erklärung. Ehrerbietig erkenne ich an, dass ich nicht alles verstehe, aber das bedeutet nicht, dass ich es sofort ausrichten muss. Die Leute werden immer irgendwelchen Aberglauben verstehen und auch viele heutige wissenschaftliche Wahrheiten werden in der Zukunft durch neue Paradigmen überwunden. Ich bin der Meinung, dass, wenn sich die Gesundheit der Menschen bessern soll, der Respekt und die Toleranz nützlicher als die Verhöhnung und die Ignoranz sind.

Einer ähnlichen Meinung ist auch unser führender tschechischer Psychiater MUDr. Radkin Honzák CSc.:

Die moderne Medizin nimmt nichts in Betracht, was nicht messbar ist, sie sieht im Menschen nur eine erlebte Maschine von René Descartes, in der ausschließlich mechanische Vorgänge ablaufen, die wir verfolgen und beobachten können. Aber es ist so - es ist nötig, auch die Psychologie und den Sozialkontext in Betracht zu ziehen. Die auf den Beweisen gegründete Medizin (evidence base medicine, EBM), die den positivistisch abgestimmten Menschen scheint eine heilige Kuh zu sein, ist nicht von grandiosen Irrtümern nicht befreit und sie ist bei weitem nicht die einzig mögliche oder sogar kodifizierte Weise , wie man für die Gesundheit der Menschen sorgen soll. Es ist hier jedoch die auf der Erfahrung gegründete Medizin (real world evidence, RWE), es ist eine Tatsache, dass die EBM mit den psychosomatischen Patienten absolut nicht fertig werden kann, die in dem ersten Sieb der praktischen Ärzte ungefähr ein Vierteil bilden, es sind hier die letzten (2016) Ergebnisse der zeitlich verlängerten klinischen Studien, welche die deklarierte Wirksamkeit der Analgetika und Psychopharmaka usw. in Frage stellen. Die Tatsache, dass die auf den Beweisen gegründete Medizin an den Fakultäten gelehrt wird, bedeutet nicht, dass es die einzige Wahrheit ist.

Prof. PaedDr. Pavel Koláø Ph.D., Vorstand des Klinikums für Rehabilitation und Sporterziehungsmedizin der 2. medizinischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag, kommentiert in seinem Buch Labyrint pohybu (Labyrinth der Bewegung) (Vyšehrad 2018) diesen Zustand wie folgt:

Das Konzept von Evidence Based Medicine EBM ist schon am Anfang der 80er Jahre an der McMaster-Universität in Kanada entstanden. Seine Autoren haben es als „der systematische Ansatz zur Behandlung, der die besten erreichbaren wissenschaftlichen Beweise mit der klinischen Erfahrung des Arztes und mit den Präferenzen und Bedürfnissen des behandelten Patienten verbindet“ definiert. Die moderne Medizin erfordert immer mehr die Beweise mit statistischem Charakter, es dominiert der biologische Ansatz und wird dadurch der Möglichkeit beraubt, auch die sozialen und psychologischen Faktoren und deren Auswirkungen auf den Organismus in die Medizin einzugliedern. Deswegen hat es die Medizin zum Beispiel nicht geschafft, menschliche Emotionen in ihre Erwägung genügend einzubeziehen. Dafür gibt es keinen Raum, weil sie nur schwer messbar sind. Die Medizin wird dadurch auf die Menge von isolierten Erkenntnissen auf der biologischen Ebene ohne deren Systemreihenfolge reduziert. Das hat leider auch zur Folge, dass das Gleichgewicht zwischen der Produktion der riesengroßen Menge an isolierten wissenschaftlichen Informationen und der Bildung der Systemtheorien, in die sie eingeordnet würden oder in denen sie logisch übersichtlich zusammengefasst würden, immer deutlicher gestört wird. Es ist die gleiche Situation, als ob man einzelne Puzzle-Teile, also viele einzelne Informationen hat aber kein Gesamtbild, zu dem wir sie zusammenlegen sollten. Dort überwiegt der Trend, den die auf den wissenschaftlichen Beweisen gegründete Medizin gestartet hat – Kumulierung der ausführlichen Erkenntnisse über deren Organisation in übersichtliche Gesamtheiten, also die analytische Denkweise über der synthetischen. Als in Israel ein Streik der Ärzte stattgefunden hat, ist die Sterblichkeitsrate in dieser Zeit paradoxerweise gesunken... Hippokrates hat bereits geurteilt: „Das möglichst wenige ist für die Kranken am besten“.

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